Fasse Dich kurz: wie SMS und E-Mail die Ausdrucksweise beeinflussen

Einer kürzlichen Umfrage zufolge finden es die meisten Deutschen völlig in Ordnung, Geburtstagswünsche per SMS zu senden. Und dann gilt: „Happy B-Day 2U” statt „Alles Gute”. Ruiniert die SMS-Sprache die Ausdrucksweise?

Jugendliche beim SMS schreiben Bild vergrößern (© dpa/ picture alliance)  Im Englischen heißt das Phänomen der abgekürzten Sprache treffend „txt spk“ (text speak), das Stichwort ergibt bei Google immerhin etwa 50.000 Treffer. Doch während Online-Übersetzungshilfen diese Art des Schreibens längst parodieren, nähert sich die Webseite Urban Dictionary dem text speak ganz nüchtern: „Eine Sprache, die von Chat-Room-Besuchern entwickelt wurde, die aber mehr zum Verfassen von Kurznachrichten für Mobiltelefone genutzt wird.“ In der Tat: Fast jeder war schon einmal gezwungen, sich extrem kurz zu fassen – beim Texten mit dem Handy.


In 160 Buchstaben alles sagen

Denn bei der SMS (kurz für „Short Message Service“), die vom Mobiltelefon verschickt wird, ist der Text auf 160 Zeichen beschränkt. Also wird abgekürzt, wo es nur geht. Das Deutsche hat kaum Ziffern oder Buchstaben, die ein ganzes Wort ersetzen können, das Englische dagegen schon: „2 N8“ klingt wie „to-n-ight“, auf deutsch, „heute Abend“. „CU“, für „see you“ beziehungsweise „bis dann“, ist bereits eine klassische SMS-Abschiedsformel. SMS Bild vergrößern (© dpa/ picture alliance) Wer diese Sprache versteht? Ihre Erfinder. Das sind vor allem die 14- bis 18-Jährigen. Weil dieses abgehackte Sprechen allerdings recht unhöflich klingen kann, werden häufig die „Emoticons“ eingefügt: Ein „:-)“ zum Beispiel signalisiert einen freundlichen Tonfall. Beliebt sind auch die asiatischen Emoticons. Hier liegen die Gesichter nicht auf der Seite, sondern ein Lächeln sieht so aus: „(^_^)“, ein überraschter Ausdruck so: „(o.O)“ – ähnlich der Mimik der japanischen Manga-Figuren.

Christa Dürscheid, Sprachwissenschaftlerin an der Universität Zürich, beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Phänomen SMS-Kommunikation. Sie hat herausgefunden, dass die SMS viele Zwecke erfüllt: Verabredungen treffen, Kontakte pflegen, Probleme klären, Langeweile vertreiben und zu guter Letzt ständig erreichbar zu sein. Genau dafür bietet sich die SMS an, denn man kann sie unbemerkt unter dem Tisch tippen. So verschicken Jugendliche zuweilen bis zu zehn SMS am Tag, während sie nur dreimal ihre E-Mails anschauen. Mit einer SMS erreicht man den Empfänger sofort, muss sich aber nicht mit ihm auseinandersetzen, so Christa Dürscheid. Dies erleichtere es auch, Dinge zu sagen, die man sich von Angesicht zu Angesicht nicht trauen würde.

Hat das einen Einfluss auf die Alltagssprache? Studien konnten das nicht belegen. Und: E-Mail und SMS lösen den Brief keineswegs ab. Vielmehr gilt der Umstand, überhaupt noch einen Brief zu erhalten, als etwas Festtägliches. Die Deutsche Post wirbt dementsprechend auch nicht mehr mit „Schreib mal wieder“, sondern mit „Jeder Brief ist ein Geschenk“.

 

Autor: Franziska Schwarz

Zuerst erschienen bei www.goethe.de

Bearbeitete Fassung

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Goethe-Instituts

SMS-Sprache

Eine Frau tippt eine SMS-Nachricht