Deutsch – eine weltweit gelernte, aber in Europa beheimatete Sprache

Deutsch ist in der Europäischen Union Fremdsprache Nummer Zwei und liegt nach der Zahl der Muttersprachler mit 90 Million auf dem ersten Platz. In acht Ländern ist es als Minderheitssprache anerkannt.

Kein Grund also, sich um die Verbreitung der deutschen Sprache in Europa Sorgen zu machen? Leider doch, denn in den europäischen Institutionen spielt die deutsche Sprache nur eine Nebenrolle. Ein entschiedenes Eintreten für das Deutsche als (tatsächlich genutzte) Arbeitssprache ist notwendig, wenn Deutsch eines Tages zu den Regierungssprachen der zusammenwachsenden Gemeinschaft gehören soll. Das ist wichtig, damit es seine Attraktivität als Fremdsprache behält.

Deutsche Sprache Bild vergrößern (© dpa/ picture alliance) Deutsch wird rund um die Welt in mehr als 100 Ländern an Schulen und Hochschulen gelehrt und gelernt – eine für die internationalen Kontakte der deutschsprachigen Länder unschätzbare Ressource. Ob dies so bleibt, entscheidet sich vor allem in Europa, wo Deutsch seinen Schwerpunkt hat. In der Europäischen Union (EU), mit 27 Mitgliedsstaaten (seit 1. Januar 2007), übertrifft Deutsch alle anderen Sprachen nach Zahl der Muttersprachler (rund 90 Millionen, weltweit 120 Millionen) und Zahl der Staaten, in denen es Amtssprache ist (sieben Staaten), und rangiert als Fremdsprache an zweiter Stelle, nach Englisch und vor Französisch.

Allerdings richtet sich die Sprachenpolitik der EU vor allem auf die kleinen Sprachen, die sogar als Fremdsprachen gefördert werden, zum Beispiel durch den Vorschlag an die EU-Bürger, eine „persönliche Adoptivsprache“, möglichst eine der kleinen Sprache, zu erlernen. Diese Stoßrichtung geht zu Lasten der größeren Sprachen, die traditionell als Fremdsprachen gelernt werden, auch und gerade zu Lasten von Deutsch. Nur Englisch ist davon nicht betroffen. Im Gegenteil: Es gilt als unverzichtbar und wird – bei der durch die EU-Politik geförderten sprachlichen Zersplitterung – immer dringender als Verkehrssprache benötigt.

Minderheitssprache in EU-Mitgliedsstaaten

Marktplatz mit barocken Bürgerhäusern in Opole Bild vergrößern (© dpa/ picture alliance) Deutsch ist auch anerkannte Minderheitssprache in mehreren EU-Mitgliedsstaaten, und zwar in Ostbelgien und Südtirol, wo es zugleich regionale Amtssprache ist, sowie in Dänemark (Nordschleswig), Polen (Oppeln, Schlesien), Rumänien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Die Rechte von Sprachminderheiten sind in der vom Europarat konzipierten und von der EU mitgetragenen Europäischen Charta für Regional- oder Minderheitensprachen formuliert, die allerdings nur eine Empfehlung an die Mitgliedsstaaten ist, die sprachenpolitisch autonom sind.

Karl-Heinz Lambertz Bild vergrößern (© dpa/ picture alliance) Frankreich hat seine Verfassung so geändert (Anerkennung nur von Französisch), dass die Charta damit unvereinbar ist. Folglich verwehrt es der deutschsprachigen Minderheit im Elsass und in Lothringen Rechte im entsprechenden Umfang (zu gewähren sind nach Artikel 2 mindestens 35 Rechte aus einer umfangreichen Liste), erlaubt aber immerhin zweisprachige Schulen mit Deutsch. Auch der Erhalt von Deutsch als Minderheitssprache ist für die Zukunft der deutschen Sprache bedeutsam. Vermutlich sind manche deutschsprachigen Minderheiten noch nicht entdeckt, die aufgrund der Charta zumindest begrenzt förderungswürdig sind – zum Beispiel in Finnland.

Autor: Ulrich Ammon

Zuerst erschienen bei www.goethe.de

Bearbeitete Fassung

Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Goethe-Instituts

Deutsch - eine weltweit gelernte Sprache

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